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Terminankündigung: “Wir haben es satt!”-Demo am 21.01.2012 in Berlin
Biologische Produkte wachsen nicht unter Glasglocken, sondern in ihrer natürlichen Umgebung. Daher sind sie, wie alle anderen Freilandkulturen auch, Umwelteinflüssen ausgesetzt. Insbesondere machen alle im konventionellen Bereich eingesetzten Pestizide und Herbizide – aber auch die Gentechnik – keinen Halt vor Biofeldern und hinterlassen dort ihre Spuren. Das ist sehr ärgerlich. Die Ökobauern befinden sich in einem ständigen Kampf gegen diese Übergriffigkeiten, während konventionelle Anbauer, die die Verursacher der Verunreinigungen sind, sich um dieses Problem nicht scheren. Warum auch? Die Grenzwerte für Pestizide, Herbizide und Gentechnik liegen in der konventionellen Landwirtschaft hoch und sind mit den niedrigen und strengen Grenzwerten, die sich BIO selbst auferlegt hat, nicht zu vergleichen.
Aber gerade diese ständigen Verunreinigungen und Spuren aus dem konventionellen Anbau bereiten uns unverhältnismäßig viel Arbeit und zwingen uns zu immer tiefgreifenderen Schutzmaßnahmen. Beispielsweise haben wir es nicht nur einmal erlebt, dass dieselben Rückstellproben unserer Sojabohnen sowohl ein positives als auch ein negatives Ergebnis hinsichtlich der hintereinander stattfindenden Gentechnikuntersuchungen ergaben. Eine dritte Untersuchung brachte dann schließlich wieder ein negatives Ergebnis.
So mussten wir erkennen, dass eine wirklich sichere Aussage bezüglich 100%iger gentechnischer Spurenfreiheit uns praktisch derzeit nicht möglich ist. Feinste Stäube von Gentechnik sind nie ganz auszuschließen. Sie können im Test aufblitzen oder auch nicht. (Wohlgemerkt, ich spreche über Spuren im Minimalbereich, also von Ergebnissen kleiner als 0,1 %)[1].
In dieser Hinsicht wird politisch derzeit leider ein Schlingerkurs gefahren, der mir große Sorgen bereitet und wo ersichtlich ist, dass die Agrarmultis sich sehr gut positioniert haben. An dieser Stelle fordere ich eine andere Politik! Aber ich wünsche mir auch mehr Unterstützung von Journalisten: Schreiben Sie nicht nur, dass Spuren gefunden wurden, sondern dringen Sie auch zum Kern der Spurenproblematik vor. Da hat auch der Verbraucher mehr davon, wenn ihm Art und Umfang der Schwierigkeiten transparent gemacht werden.
Biobetriebe wie wir kämpfen seit langem für saubere Bio-Produkte, gerade auch aus unserer Region. Wir betreiben immer mehr Aufwand, um diese Sauberkeit trotz zunehmender Fremdverschmutzungen weiterhin zu gewährleisten. Gleichzeitig müssen wir uns oft mit unrealistischen Erwartungen (nicht selten aus dem Medienbereich) auseinandersetzen, wo die völlige Rückstandsfreiheit unserer biologischen Produkte zum Mass dessen wird, wie man über uns berichtet.
Keine Frage – trotz Allem! Natürlich werden wir unseren beherztem Einsatz für höchste Bioqualität sowohl regional als auch international beibehalten. Breiterer Erfolg wäre gegeben, wenn wir echte Unterstützung von Politik und Medien bekämen. Dazu braucht es eine klare Positionierung zu BIO, eine sachliche, problemorientierte Berichterstattung und die klare Nennung von Ross und Reiter bei den wahren Verursachern der Umweltverunreinigungen.
Wolfgang Rainer Heck / März 2011
[1](In diesem Bereich lässt sich nur noch nachweisen, dass Spuren vorhanden sind. Aber trotz modernster Analysemethoden lässt sich die real vorhandene Menge nicht mehr bestimmen. Der gesetzlich zugelassenen Wert ist weit davon entfernt und liegt bei 0,9 %).